
Elisabeth Ermes (links) bedankt sic bei Gabriele Kuhlmann für den interessanten Vortrag.
„Berufen – Bereit – Unaufhaltsam“.
„Berufen – Bereit – Unaufhaltsam“. So lautete in diesem Jahr das bundesweite Motto am „Tag der Diakonin“- seit 2024 „Tag der Diakonin + plus“ genannt, der seit 1998 bundesweit am 29. April am Gedenktag der Heiligen Katharina von Siena stattfindet. Dabei setzt sich das Netzwerk „Diakonat der Frau“, dem die Katholische Frauengemeinschaft Deutschland (kfd) als Gründungsmitglied angehört, seit 1998 dafür ein, das Weiheamt der Diakonin einzuführen sowie seit 2024 die Zulassung von Frauen zu allen Ämtern in der katholischen Kirche.
Der kfd-Regionalvorstand Emsland-Nord hatte aus diesem Anlass zu einer Veranstaltung in das Sixtus-Haus in Werlte eingeladen, die mit einer Andacht begann. „Wir wollen den Tag bewusst begehen als Tag der Hoffnung und Zuversicht. Wir lassen nicht nach in unserem Engagement für das sakramentale Diakonat der Frau und die Zulassung von Frauen zu allen Diensten und Ämtern. Frauen sind von Gott zur Diakonin berufen. Sie sind bereit zur Weihe“, hieß es dort.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand ein Vortrag von der im Dezember 2024 in den Ruhestand verabschiedeten Gemeindereferentin und Krankenhausseelsorgerin Gabriele Kuhlmann aus Quakenbrück. Sie berichtete von ihrer Berufung zur Diakonin und über ihren Unmut über die katholische Kirche, die immer noch keine Weihe von Frauen zur Diakonin zulassen darf. Dennoch hat sie vor fünf Jahren einen vom „Netzwerk Diakonat der Frau“ angebotenen Ausbildungskurs „Diakonische Leitungsdienste für Frauen in der Kirche“ im Franziskanerinnen-Kloster in Waldbreitbach (Rheinland-Pfalz) abgeschlossen. „Ich habe mich für diese Fortbildung entschieden, um dem Wunsch nach Gleichberechtigung ein Gesicht zu geben und um deutlich zu machen, dass nicht nur Männer die Berufung zum Diakon oder zum Priester haben“, betonte Kuhlmann und fügte hinzu: „Berufen ist von der Taufe her jeder und jede von uns, denn bei der Salbung des Täuflings mit Chrisam heißt es: Du bist Prophet, du bist Priester, du bist König und hast Anteil an Jesu Königtum, Priestertum, Prophetentum“.
Die sehr anspruchsvolle Fortbildung erstreckte sich laut Kuhlmann über einen Zeitraum von dreieinhalb Jahren, in denen jährlich an sechs Wochenenden zu den Themen „Diakonisches Handeln“, „Verkündigung des Wortes Gottes“ und „Liturgische Formen“ in Waldbreitbach fortgebildet wurde. Zudem war die Planung und Umsetzung eines eigenen Projektes erforderlich und Kuhlmann entschied sich für eine „Bank der Begegnung“ auf dem Quakenbrücker Friedhof. Trauernde und Besucher schätzen diesen Ort für Begegnungen und Gespräche. Während des Abschlussgottesdienstes im Franziskanerinnenkloster Waldbreitbach wurde auch allen 13 Teilnehmerinnen des Kurses 2018-2020 ein Zertifikat überreicht und ein bischöflicher Segen erteilt. „Das hat mich sehr berührt. Wir haben jetzt die gleichwertige Fortbildung wie unsere männlichen Kollegen“, so Kuhlmann, „aber leider wird uns Frauen die Weihe verwehrt“. Sie zeigte sich dennoch erfreut darüber, dass Alt-Bischof Bode, der stets ein offenes Ohr für Frauenfragen gehabt hätte, sie unterstützte und somit auch ihre Kosten für die Ausbildung vom Bistum Osnabrück übernommen wurden. Andere Bistümer hätten nur die Kosten für die Männer übernommen, teilte sie mit. Bei den Kursen hat Kuhlmann Lehrerinnen, Sozialarbeiterinnen, Hebammen, Ärztinnen und eine Gemeindereferentin kennengelernt, deren Berufung zur Diakonin sie bis heute gemeinschaftlich verbindet. „Ich habe es nicht bereut, den Kurs gemacht zu haben und mich gefreut, dass ich auf so viel Anerkennung durch Bode und dem Seelsorgeamt sowie bei meiner Arbeitsstelle im Krankenhaus gestoßen bin. Es gab sogar einen kleinen Empfang und ein Festakt im Osnabrücker Dom für mich und meine Mitstreiterin aus dem Bistum Osnabrück“.
Abschließend berichtete Kuhlmann von Begegnungen mit Bischöfen und Synodalen des Synodalen Weges. Vier berufene Frauen aus der Welt (von den Philippinen, aus den USA, Australien und Europa) hätten den Bischöfen ihre Lebensgeschichte vorgestellt und ein Statement über ihre Berufung zur Diakonin abgegeben. „Das hat etwas in Bewegung gesetzt, so dass 80 % der Bischöfe ihre Meinung änderten und sich auf der Synodalen Konferenz im März 2023 für die Öffnung des sakramentalen Diakonats für Frauen aussprachen. Diese Frage wurde Thema der Weltsynode und nach Rom weiter-geleitet“, betonte Kuhlmann und appellierte an die Frauen: „Solche Begegnungen sind wichtig. Wir müssen uns einfach mehr zeigen und dranbleiben, damit wir Rückenstärkung bekommen. Sollte irgendwann doch eine Weihe möglich sein, kann ich mit meinem Zertifikat zum Bischof gehen und sagen: Weihe mich“. Elisabeth Ermes vom kfd-Regionalvorstand bedankte sich bei Gabriele Kuhlmann für den interessanten Vortrag und bei den Frauen des Werlter kfd-Teams für die Ausrichtung der Veranstaltung.
Gisela Arling
