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KFD Diözesanverband Osnabrück

„In dem Augenblick aber, wo sie den Stich empfand, fiel sie auf das Bett nieder, das da stand, und lag in einem tiefen Schlaf. Und dieser Schlaf verbreitete sich über das ganze Schloss, der König und die Königin, die eben heimgekommen waren und in den Saal getreten waren, fingen an einzuschlafen und der ganze Hofstaat mit ihnen. Da schliefen auch die Pferde im Stall, die Hunde im Hof, die Tauben auf dem Dache, die Fliegen an der Wand, ja, das Feuer, das auf dem Herde flackerte, ward still und schlief ein, und der Braten hörte auf zu brutzeln, und der Koch, der den Küchenjungen, weil er etwas versehen hatte, an den Haaren ziehen wollte, ließ ihn los und schlief. Und der Wind legte sich, und auf den Bäumen vor dem Schloss regte sich kein Blättchen mehr.“


In diesen Tagen muss ich oft an diese berühmte Szene aus dem Märchen „Dornröschen“ der Gebrüder Grimm denken. Wie ein böser Zauber sorgte Corona im März dafür, dass unser Land gefühlt von einem Tag auf den anderen in eine Art Tiefschlaf fiel. Treffen mit Freunden und Verwandten: abgesagt. Veranstaltungen: verboten. Schule und Arbeit: fast nur noch von zuhause aus. Auch das Vereins- und Gemeindeleben kam zwangsläufig fast vollständig zum Erliegen.


Während bei einigen Angst und Sorgen, vielleicht auch Einsamkeit überwogen, konnten andere dem unfreiwilligen Dornröschenschlaf auch Gutes abgewinnen. Endlich einmal zur Ruhe kommen und sich ohne schlechtes Gewissen ganz auf sich und die engste Familie konzentrieren!


Zurzeit werden die Auflagen langsam wieder gelockert und es sind mehr Aktivitäten möglich. Aber viele haben sich längst an die „neue Normalität“ mit ihrer geruhsameren Gangart gewöhnt. Dabei zeigt gerade die aktuelle Debatte um die päpstliche Instruktion zur pastoralen Umkehr der Pfarreien, dass es höchste Zeit ist, aufzuwachen! Wer zu lange (ver-)schläft, darf sich nicht wundern, wenn wichtige Entscheidungen ohne ihn getroffen werden. Warten wir nicht darauf, dass ein Prinz uns wachküsst – werden wir selbst aktiv und treten für unsere Interessen ein! Auch in Corona-Zeiten sollten wir nach Möglichkeiten suchen, den „Synodalen Weg“ weiter zu beschreiten und die Kirche in unserem Sinne zu erneuern.


Nur so kann es für uns als Katholikinnen schlussendlich heißen: „…und sie lebten vergnügt bis an ihr Ende.“


Maria Veldboer