Verbundenheit und Wertschätzung der katholischen Kirche mit dem Islam

Katrin Großmann referiert auf kfd Regionalkonferenz in Börgerwald
Die Regionalkonferenz der Katholischen Frauengemeinschaft der Region Hümmling tagte in Börgerwald und begann mit einem geistlichen Impuls durch die pastorale Mitarbeiterin Elke Grote in der St. Josef-Kirche. Bei der anschließenden Versammlung im Jugendheim begrüßte Vorsitzende Marlies Etmann die Frauen aus dem Dekanat Emsland-Nord der Region Hümmling und verwies auf anstehende Termine des kommenden Jahres.

Stiftesammelaktion des Weltgebetstages
Etmann animierte die Frauen zum Mitmachen bei der bereits gestarteten großen Stifte-Sammel-Aktion durch den Weltgebetstag und erklärte, dass durch das Recyceln von Stiften ein Team aus LehrerInnen und Psychologen 200 syrische Mädchen, die in den Libanon geflüchtet sind, Schulunterricht ermöglicht. “Für 450 Stifte kann ein Mädchen mit Schulmaterial ausgestattet werden und Zugang zu einer Ausbildung bekommen“, berichtete Etmann.

Dekanatssprecherin Leni Schmits
Die erst kürzlich gewählte Dekanatssprecherin Leni Schmits stellte sich derweil der Versammlung vor und betonte, dass sie sich durch die inzwischen stark veränderte Altersstruktur in dem kfd-Gremium gut aufgehoben fühle und nun als neue Dekanatssprecherin als Bindeglied zwischen den Anliegen der pfarrlichen kfd-Gruppen und der Arbeit der Diözesanebene fungieren werde. „ Ich freue mich auf die neuen Herausforderungen“, sagte Schmits und bedankte sich bei den Frauen für das ihr entgegengebrachte Vertrauen.

Katrin Großmann zum Thema Islam – Dialog aus katholischer Perspektive
Im Mittelpunkt der Regionalkonferenz stand ein Vortrag der interreligiösen Dialogbeauftragten im Bistum Osnabrück, Katrin Großmann, zum Thema „Der Islam – keine Angst vor dem Fremden – Dialog aus katholischer Perspektive“. .Die Gastrednerin begann mit einem kurzen Abriss der Geschichte des Islams und der aktuellen Situation der Religionsgemeinschaften Christentum und Islam in Deutschland. Dabei informierte sie über Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Christentum und Islam und stellte fest, dass Christen und Muslime gemeinsame wesentliche Grundlagen des Glaubens haben und sie mehr verbindet als trennt.„Der Islam ist heute in aller Munde. Gerade in der westlich geprägten Welt herrscht Verunsicherung und Unkenntnis zum Islam. Viele Menschen verbinden mit ihm Kopftuch, Unterdrückung, Terrorismus und Gewalt“, sagte Großmann. Dies entspreche aber nicht der Realität. Mit dem Anwerben von Gastarbeitern aus der Türkei in den 1960er Jahren, so Großmann, sei der Islam schon nach Deutschland gekommen und über die Jahre habe es weitere Einwanderungswellen aus dem Libanon, dem Irak, Nordafrika, Syrien und Afghanistan gegeben. Mit den vielen Flüchtlingen, die auch in Deutschland Zuflucht vor Krieg und Verfolgung suchten, sei nun die Zahl der Bürger und Bürgerinnen muslimischen Glaubens enorm angestiegen.
Die Haltung der katholischen Kirche zum Islam
Großmann beleuchtete die Haltung der katholischen Kirche zum Islam und zum christlich-muslimischen Dialog. Dabei verwies sie mehrfach auf die Wichtigkeit des Zweiten Vatikanischen Konzils, ein Dokument, das schon vor 50 Jahren die Verbundenheit und Wertschätzung der katholischen Kirche gegenüber dem Islam bekräftigt habe. „ Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslime, die den alleinigen Gott anbeten“, heißt es in der Nostra Aetate und Großmann fügte hinzu :“Das Konzil hat uns mit auf den Weg gegeben, dem Islam nicht mit Vorbehalten zu begegnen, sondern bereit zu sein, uns gegenseitig zu verstehen und zum Dialog zu ermutigen“. Mit Blick auf die gegenwärtigen Krisenherde sei das Zweite Vatikanische Konzil heute aktueller denn je, stellte Großmann fest. Besonders Erzieherinnen in Kindertagesstätten oder ReligionslehrerInnen an Schulen sei es ein großes Bedürfnis, zu erfahren, wie mit muslimischen Kindern umzugehen ist oder wie man multireligiös feiert. Großmann informierte in diesem Zusammenhang über die inzwischen vernetzten Projekte mit der jüdisch –christlichen Kindertagesstätte „König David“und der „Drei-Religionen-Schule“ in Osnabrück.
Wege zum Dialog
Die Gastrednerin ermutigte die Frauen, den Weg des Dialoges mitzugehen, ihre Ängste zu überwinden und die Begegnung zu suchen, z.B. Kontakte zu den Moscheegemeinden aufzubauen. Sie schloss ihren Vortrag mit einem Zitat von Papst Franziskus: “Die Zukunft liegt in einem respektvollen Zusammenleben der Verschiedenheiten“. In der sich anschließenden Diskussion wurde mehrfach deutlich, dass für die Umsetzung des interreligiösen Dialogs, besonders an Schulen, noch viel Aufklärungsarbeit vonnöten ist.
Die 37 jährige Katrin Großmann wuchs in der Nähe von Trier katholisch auf und hat nach ihrer Krankenpflegeausbildung einen Freiwilligendienst in einem Heim für behinderte Kinder in Jerusalem absolviert. Von dem interreligiösen Zusammenleben in Jerusalem stark beeindruckt, schwenkte sie beruflich noch einmal um und studierte in Tübingen Theologie. Nach einem weiteren Aufenthaltsjahr in Jerusalem (deutschsprachiges Benediktinerprogramm) hat Großmann zunächst an Schulen gearbeitet und ist nun als Beauftragte für den Dialog mit den nichtchristlichen Religionen im Bistum Osnabrück unterwegs.
Marlies Etmann bedankte sich bei Katrin Großmann für den sehr informativen und interessanten Vortrag und für das mitgebrachte Informationsmaterial zum Thema. Ferner bedankte sie sich beim Leitungsteam der kfd Börgerwald für die Ausrichtung der Konferenz, die ihren Ausklang mit dem Vortragen der meditativen Kurzgeschichte „Gott in uns“ durch die geistliche Begleiterin Annette Hilmes fand.
Text u. Foto: Gisela Arling

© KFD Diözesanverband Osnabrück 2018 Erstellt mit dem KFD-Baukasten unter Joomla! Ein Service der VANAMELAND