"Not lehrt beten - auch im Gefängnis?"

Regionalkonferenz der kfd in Breddenberg

P1090576 minMit einem Wortgottesdienst in der St.-Michael-Kirche in Breddenberg begann die Regionalkonferenz der kfd des Dekanates Emsland-Nord der Region Hümmling. Gemeindereferentin Ingrid Hermes führte dabei mit einem geistlichen Impuls in das Thema des Nachmittags "Not lehrt beten" ein. Vorsitzende Marlies Etmann begrüßte anschließend im Jugendheim die Frauen aus den kfd Vorständen sowie Dekanatssprecherin Helene Griesen, die Pastoralreferentin der JVA Vechta, Josefine May und Diözesanvorsitzende Ursula Kemna. Mittels einer Bilderpräsentation hielt diese einen Rückblick auf die vielen gelaufenen Aktionen im Jahr 2016. Dabei hob sie u. a. die Aktionsidee "Häng dich rein ins Netz, das Frauen trägt", besonders hervor und erinnerte an das schöne Bild mit den vielen kfd Frauen und ihren aufgespannten roten Netzen mit den gelben Sternchen, das sich auf der Waldbühne bei der Frauenkundgebung in Ahmsen geboten hatte und erinnerte ebenfalls an den beeindruckenden Abschluss des Aktionsjahres in Mainz mit dem riesigen Sternennetz, das über den Mainzer Marktplatz gespannt worden war. Durch die seit 2014 laufende Werbekampagne "Frauen.Macht.Zukunft." seien bereits 15.000 neue Mitglieder gewonnen worden, erwähnte sie mit Stolz und legte den Frauen ans Herz, immer wieder neue Frauen anzusprechen, "damit die kfd mit ihren über eine halbe Million Mitgliedern weiterhin stark bleibt".

 

Auch der Freundinnentag in Osnabrück zum Thema "Frauen.Feiern.Gemeinschaft." mit Podiumsdiskussionen und den verschiedenen Workshops sei ein echtes Highlight gewesen. Kemna verwies ferner auf das im Juni 2016 von der kfd erstellte Positionspapier zum Thema "Ökumene bewegt Frauen" - "Frauen bewegen Ökumene". Bei ihrem Ausblick auf das Jahr 2017 verwies sie auf das Lutherjahr mit den unterschiedlichen Veranstaltungen, wie z. B. die Aufführung "Luther" bei der Frauenkundgebung in Ahmsen und den Reformationstag am 31.10.2016 in Osnabrück. Mit der Frage: "Wie wollen wir in Zukunft leben?" werde sich die kfd weiterhin stark machen für Themen wie: Frauen - Kirche - Ämter, Geld für gleiche Arbeit oder bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Zum Thema "Not lehrt beten? Auch im Gefängnis?" sprach die Pastoralreferentin der JVA Vechta, Josefine May, und machte deutlich, dass sie durch ihre inzwischen 10jährige Tätigkeit in der JVA vertraut sei mit den Ängsten und Nöten der Frauen und wisse, dass bei vielen der gefangenen Frauen es "eine tiefe Sehnsucht nach religiösen Fragen gibt, nach jemanden, der sie beschützt und der ihnen verzeiht. Ich höre sie abends beten, auch wenn einige es nicht zugeben würden", sagte May und erklärte weiter, dass in der JVA Vechta 130 inhaftierte jugendliche und erwachsene Frauen untergebracht seien, von denen ca. die Hälfte an den Gefängnis-Gottesdiensten in der Klosterkirche teilnehmen würden. Ein Großteil der Frauen sei belastet mit einer Abhängigkeits- und Suchtproblematik oder durch Trauma infolge von Missbrauch und Gewalt. Der ökumenische Kirchenchor, das Rosenkranz-Basteln mit kfd-Frauen, der Weltgebetstag der Frauen oder eine gemeinsam gestaltete Osterkerze seien Elemente des religiösen Lebens in der JVA für Frauen, wobei die Bibel und der Rosenkranz am begehrtesten seien, erklärte Josefine May weiter und fügte hinzu: "Die Liebe zu Gott, zum Nächsten und zu sich selbst darf nicht vor den Gefängnismauern Halt machen. Die Frauen müssen, um den Nächsten lieben zu können, wie sich selbst, erst einmal lernen, sich selbst anzunehmen und zu lieben". Einzelgespräche mit der evangelischen Seelsorgerin oder mit ihr als katholische Gemeindereferentin seien für die Gefangenen etwas ganz Besonderes, denn viele von ihnen hätten nie kennengelernt, dass jemand nur ihnen zuhört.

Josefine May hatte zudem ein großes Tuch mitgebracht, das im Rahmen des von Papst Franziskus ausgerufenen "Jahr der Barmherzigkeit" von Frauen aus der JVA in Zusammenarbeit mit der kfd Visbek erarbeitet und erstellt worden war. Am 6. November, am "Tag der Gefangenen" sei es mit in den Gottesdienst genommen und thematisiert worden. Die inhaftierten Frauen hätten dabei nicht zuerst an sich selbst, sondern an die Flüchtlingssituation, an Kriege und Unruhen gedacht und ihre Gedanken und Gefühle malerisch in das Bild eingebracht. Josefine May stellte auch eine CD mit dem Titel "Gefühlswelten" vor, an deren Produktion zwanzig inhaftierte Frauen der JVA Vechta sich beteiligt und Texte über ihre innersten Gefühle und Wünsche geschrieben hätten. Stimmliche Unterstützung habe es dabei durch Frauen des Vechtaer Vocalensembles Marienhain gegeben. "Wir möchten mit diesem speziellen Musikprojekt den Gefangenen Wertschätzung vermitteln", erklärte Josefine May, denn Frauen hätten im Vollzug ein höheres Maß an Strafempfindlichkeit, sie würden stärker an der Trennung von Familie und Kindern leiden. Sie beendete ihren Vortrag mit den Worten: "Niemand soll seine Würde verlieren und seine Ebenbildlichkeit Gottes. Das tiefste Gebet ist das Aushalten mit den Anderen". Am Schluss der Konferenz bedankte sich Marlies Etmann noch beim Vorstandsteam der kfd Breddenberg für die hervorragende Bewirtung mit Kaffee, Kuchen und Häppchen.

Text u. Fotos: Gisela Arling

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