Frauenfrühstück mit Vortrag

Rabbinerin Ulrike Offenberg spricht vor katholischen Frauen

Die Frauen in der katholischen Kirche begehren auf. Ob „Maria 2.0“ oder „Macht Licht an“ – es sind die Frauen, die innerhalb der katholischen Kirche die Stimme erheben, auf Missstände hinweisen und Teilhabe an leitenden Funktionen einfordern. Dass dieses nicht nur ein katholisches Thema ist, hat der Vortrag von Dr. Ulrike Offenberg am Mittwoch eindrucksvoll gezeigt.

Offenberg ist eine der wenigen weiblichen Rabbinerinnen innerhalb der jüdischen Religionsgemeinschaft. Was dies für das Judentum in Deutschland, aber auch für ihr ganz persönliches Leben bedeutet, durften Frauen im Ludwig-Windthorst-Haus (LWH) in Lingen-Holthausen erfahren. Eingeladen hatten die Katholische Erwachsenenbildung Emsland (KEB) und die kfd Emsland (Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands).

„Religiöse Traditionen und moderne Frauengleichberechtigung, geht das eigentlich?“, fragte zu Beginn der Veranstaltung Lydia Egelkamp, Frauenseelsorgerin im Bistum Osnabrück. Egelkamp stellte Offenberg als eine von nur neun weiblichen Rabbinerinnen in Deutschland vor; ihr gegenüber stünden 100 männliche. „Die Trennlinien zwischen den Religionen verlaufen nicht mehr so sehr an theologischen Grenzen. Es geht heute um Fragen wie ‚Ab wann dürfen Mädchen nicht mehr laut singen?‘, ‚welche Rocklänge ist adäquat?‘ und ‚wie hoch muss die Trennwand zwischen Männern und Frauen in der Synagoge sein?‘“, schilderte die aus Berlin angereiste Jüdin, die sich dem liberalen Zweig zuzählt.

Offenberg, die eine Gemeinde im niedersächsischen Hameln betreut, erzählte, dass es für Frauen im Judentum wenige Rollenvorbilder gebe. Die erste Rabbinerin weltweit habe es 1935 gegeben. Diese sei, nachdem sie in Auschwitz ermordet wurde, totgeschwiegen worden. „Fast 40 Jahre hat es gedauert, bis die nächste Frau Rabbinerin wurde. Diese Pionierinnen hatten kein Rollenvorbild“, so Offenberg. Als die erste Rabbinerin in Oldenburg eingesetzt wurde, habe es einen großen Wirbel gegeben. „Befürchtungen wie ‚der Zusammenhalt der jüdischen Gemeinschaft ist in Gefahr‘ dürften wohl auch Ihnen als Katholikinnen bekannt vorkommen“, was mit beifälligem Nicken der Gäste bestätigt wurde.

Zwar sei eine weibliche Rabbinerin inzwischen nicht mehr der ganz große Skandalfaktor, jedoch käme die Einstellung einer Frau für die meisten jüdischen Gemeinden nicht in Frage. „Was macht es eigentlich so schwierig, dass Frauen dabei sind? Der Ausschluss von Frauen wird in Religion und Gesellschaft gern als ‚ewiger Wert‘ gehandelt“, führte Offenberg aus und zog dazu Parallelen zu Angela Merkel, deren Kanzlerschaft zunächst auch für Diskussionen über Randthemen wie ihren Kleidungsstil und ähnliches geführt habe. „Es gibt keine Rollenvorbilder. Wir Frauen müssen uns auf die Kleinigkeiten festlegen lassen: Soll ich Kippa tragen oder nicht? Ich hätte es lieber, wenn mich jemand fragt ‚was haben Sie eigentlich studiert?‘“, bekannte die Berlinerin.

Dass der Einsatz weiblicher Rabbinerinnen auch Vorzüge hätte wie beispielsweise, dass sich Randgruppen wie etwa Homosexuelle oder Behinderte wieder an die Gemeinden annäherten, freue sie hingegen. „Wir Frauen sollten ganz selbstbewusst erkennen, welches Potential in uns liegt“, schloss sie ihren Vortrag ab.

Die zahlreichen Fragen im Anschluss daran gaben das große Interesse der Frühstücksgäste an der Thematik wieder. Dies waren Fragen zum zeitgenössischen Judentum im Allgemeinen, aber vor allem auch zu den speziellen Aspekten einer weiblichen Rabbinerin. Gisela Bolmer von der KEB dankte Offenberg für ihre Ausführungen und wies in dem Zusammenhang auf die Podiumsdiskussion „Kirche in Aufruhr“ hin. Diese findet am 13. Juni um 19.30 Uhr im LWH statt. Auf dem Podium debattiert u.a. Christine Hölscher, erste weibliche Pfarrbeauftragte innerhalb des Bistums Osnabrück.

 

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