Die Stille

MiSa www.pixelio.de„Drehe deinen Kopf, so weit du kannst, langsam nach rechts und dann nach links. Halte deinen Oberkörper dabei grade und merke dir, bis wohin du gucken kannst. Nun massiere ein paar Minuten mit beiden Händen deine Ohrläppchen. Dann schaue erneut langsam nach rechts und nach links.“

Diese Stilleübung dient nicht nur dazu, ruhig zu werden, sondern entspannt zugleich und löst eine erstaunliche Erkenntnis aus: Der Blickwinkel weitet sich.
 
 
Viele Menschen kennen heute kaum noch ruhige Momente. Unser Alltag ist geprägt von Stress, Hektik, Medien, Straßenlärm. Und dennoch brauchen wir alle die Stille und Erholung. Nicht umsonst hat Jesus sich ganz bewusst immer wieder in die Wüste, in die absolute Einsamkeit, zurückgezogen, um so Kraft und Zeit fürs Gebet zu finden.
Von so einer Stille ist vor allem der Karfreitag, der Todestag Jesu, geprägt. Nicht nur, dass der Gottesdienst mit einer großen Stille beginnt und endet, auch der Tag an sich und vor allem der Samstag, der Tag der Grabesruhe, strahlen etwas von dieser Verlassenheit und Einsamkeit, wie sie Jesus wohl gespürt haben muss, aus.
Betrachtet man beide Tage für sich, könnte das Gefühl von Trauer und Beklommenheit schnell vorherrschend werden. Aber weder der Karfreitag noch der Samstag sind ohne den Sonntag, ohne das Osterfest, zu denken. Erst die Stille davor ermöglicht einen neuen Blick auf das Osterfest: Nicht Tod und Leid haben das letzte Wort, sondern das Leben. Die Auferstehung Jesu überstrahlt alle Trauer und weckt Hoffnung auf das baldige Kommen des Reiches Gottes.
 
Und dennoch zeigt sich auch: Ohne die Ruhe, ohne das Verharren in Stille wäre Ostern vielleicht nicht mit solch einem großen Freudengefühl verbunden. Denn erst durch das Stillwerden öffnet sich eine neue Perspektive – nur wer sich ganz und gar in die Stille hineinbegibt, wird Ostern von neuem überrascht.
Manchmal kann es eben helfen, einen Moment ruhig zu werden und sich zu entspannen – eröffnet sich doch erst dadurch ein anderer, größerer Blickwinkel.
 

Marion Schleper

 

Foto: MiSa Quelle: www.pixelio.de

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