Impuls im Juni

„Oh lass im Hause dein uns all geborgen sein“ - Finden Frauen Heimat in der Kirche?

Eindrücke vom kfd-Podium am Freitag, 22.5.08, 14 Uhr, Stadthalle auf dem Katholikentag

von Dr. Martina Kreidler-Kos

Ein - mehrheitlich von Frauen - gefüllter Europasaal, ein prominent besetztes Podium, ein eher harmlos formuliertes Thema - so fing das Podium an und plätscherte etwa eine dreiviertel Stunde vor sich hin. Woran denken Sie, wenn Sie den Begriff „Heimat“ hören? Was/Wo ist für Sie Heimat? - unverfängliche Fragen, die zunächst den Zuhörerinnen gestellt werden.

 

 

 

Dann ein lockere Fragerunde, moderiert von Bettina Schausten/ZDF, die ihr Geschäft versteht. Eine reserviert wirkende WGT-Geschäftsführerin, Petra Heilig/Stein, die die Mechanismen solcher Runden mit solchen Themen vermutlich zur Genüge kennt, ein eloquenter Pastoraltheologe, Prof. Dr. Rainer Bucher/Graz, der die Herausforderungen einer solchen Runde sportlich nimmt und sprachlich wie argumentativ hervorragend meistert, die lange diffus wirkende große alte Dame der feministischen Exegese, Prof. Dr. Dr. h.c. Elisabeth Schüssler-Fiorenza/Cambridge USA, die versucht, die Haus-Metapher des Titels kritisch zu beleuchten, da Frauen soviel häusliche Gewalt erfahren, und ein verhältnismäßig junger Weihbischof, Jörg Michael Peters/Trier, der erst einmal dafür gelobt wird, sich solch einem Podium überhaupt zu stellen, und der seinerseits seine Diözese dafür lobt, dass viele Frauen in gehobenen Positionen zu finden sind. Bis dahin passiert wenig, auch wenn Statistiken vorgestellt und Erfahrungen eingeholt werden, wo (welche) Frauen in der Kirche zu finden sind und wo nicht.

 

Als kurz vor Schluß die Anfragen aus dem Publikum von den beiden Anwältinnen Sabine Harles und Isolde Niehüser/ kfd Düsseldorf vorgestellt werden, kommt Leben in den Saal: Die Frage nach der Frauenordination ist offensichtlich die dringlichste auf all den Zetteln und sie scheint mit großem Ärger formuliert worden zu sein. Und dann der entscheidende Fehler der routinierten Moderatorin: „Diese Anfrage geht doch sicher an Sie, Herr Weihbischof!“ Was wird er anderes tun, als die katholische Position zu buchstabieren. Uns fehlt Phantasie, Gelassenheit und ein Forum, dieses Thema zu beleuchten. Selbst wenn es sich hier einen Weg bahnt. Vielleicht liegt es daran, wie Schüssler-Fiorenza formuliert, die endlich zu ihrer präzisen Form findet, weil es in dieser Sache ein Redeverbot gibt.

 

Ein Hauch von Zukunftshoffnung streift dennoch den aufgebrachten Saal: Der Pastoraltheologe denkt darüber nach, wie die Tradition respektiert und doch den Zeichen der Zeit Rechnung getragen werden könnte. Gab es nicht schon Situationen in der Kirchengeschichte, in denen ganz neu gedacht werden mußte: Der Streit zwischen Petrus und Paulus etwa oder der Streit um Religionsfreiheit? Und ein Hauch von Wehrhaftigkeit gesellt sich dazu, als Petra Heilig die Ausführungen des Weihbischofs als Gewalterfahrung deutet und den Frauen rät, beharrlich zu bleiben, ohne sich kränken zu lassen. Am Ende ist der Saal spürbar aufgewühlt und das Thema Frauenordination noch lange nicht vom Tisch.

© KFD Diözesanverband Osnabrück 2018 Erstellt mit dem KFD-Baukasten unter Joomla! Ein Service der VANAMELAND