Frühlingssehnsucht

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Im letzten Jahr liefen meine Kinder zu dieser Zeit am liebsten im T-Shirt draußen herum. Sie wussten, dass es dazu viel zu kalt war, aber deshalb machten sie das ja: Sie wollten die Sonne herbeilocken!

 

 

Diese Sehnsucht nach Sonne spüre ich in diesem Jahr auch stark. Ich bin kein Mensch, der warmes Wetter braucht, ich flüchte vor der Sonne gern in den Schatten, ich sitze an Sommerabenden nicht stundenlang auf der Terrasse, ich mag es lieber etwas kühler – und doch merke ich, wie ich auf Frühling, Sonne und Wärme warte. Fast täglich freue ich mich, dass es beim Frühstück schon dämmert, hoffnungsvoll spüre ich Schneeglöckchen, Hyazinthen- und Osterglockenknospen auf, bei Sonnenschein schnuppere ich, ob das jetzt schon Frühlingsluft ist. Am liebsten würde ich viele Tütchen Blumensamen kaufen und schon aussäen.

 

Und dann blicke ich auf den nicht enden wollenden Winter von Leid um mich herum, wenn Menschen schwer erkranken, wenn Kinder sterben, wenn Ehen schmerzhaft zerbrechen, wenn andere auf den erlösenden Tod warten, der nicht kommt. Sofort würde ich auch im T-Shirt nach draußen laufen, wenn das diesen Leidenswinter beenden könnte! kl-blumenwiese.jpg

 

Nun glaube ich nicht, dass mein T-Shirt die Sonne herbeilockt. Aber ich glaube, dass Sehnsucht eine starke Kraft ist. Und deshalb sehne ich mich nach Leibeskräften nach dem Frühling, in der Natur und auf der ganzen Welt. Unterstützung ist mir dabei ein Wort von Hilde Domin: "Nicht müde werden, sondern dem Wunder leise, wie einem Vogel, die Hand hinhalten."

 

Hanne Büker

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