Die Zeit der kleinen Propheten

Matthias Drobinski nimmt in seinem Buch "Oh Gott, die Kirche. Ein Versuch über das katholische Deutschland" eine Analyse und Beschreibung des katholischen Deutschland vor. Er endet mit der Vision einer Kirche von morgen, die die Zeit der kleinen Propheten ist.

 

 

 

 

Vor einigen Wochen habe ich das Buch von Matthias Drobinski in die Hände bekommen.

M. Drobinski ist Theologe und Journalist, seit 1997 Redakteur der Süddeutschen Zeitung.

 

In seinem Vorwort versichert er, dass er keinen Kirchenkomplex habe und auch nicht ein "reumütig Heimgekehrter" sei.

 "Ich schreibe hier, das gebe ich gerne zu, über Kirche, deren Mitglied ich bin und fröhlich bleiben möchte. Ich tue dies aber auch aus der Perspektive des Journalisten, der nun schon seit einigen Jahren über diese Kirche schreibt, über ihre guten, ihre schlechten Seiten."

Er endet mit einem verhaltenen Optimismus: "Sie" [die katholische Kirche] "wird sich mit Gottes Hilfe schon irgendwie durch die Zeiten wursteln, hier glänzen und dort ein Trauerspiel abliefern."

Und so gelangt Drobinski schließlich zu Visionen für eine Kirche von morgen. Er verwendet ein wunderschönes biblisches Bild für sein Plädoyer des fröhlichen Verarmens: "Die Zeit der kleinen Propheten".

Im Alten (oder Ersten) Testament der Bibel finden wir die großen und die kleinen Propheten. Die großen Propheten das sind etwa Jesaja und Jeremia oder Elia. Sie verkünden den Juden das Kommen des Messias, sie sehen schon den neuen Himmel und die neue Erde. Als Visionäre zeichnen sie in ihrer Botschaft das Bild von einer neuen, gerechteren und schöneren Wirklichkeit, wo Mensch und Tier in Frieden und Freundschaft zusammenleben, wo es kein Leid, keinen Tod mehr gibt.

 

Und dann sind da die kleinen Propheten. Diese Propheten wursteln sich so durch und kämpfen sich durch den Alltag des Gottesvolk. Sie schimpfen über ungerechte Regierungen, brandmarken soziale Ungerechtigkeit und weisen auf die Missstände der Gesellschaft hin. Sie beklagen, dass die Menschen Gott vergessen und aus ihrem Leben verdrängt haben.


Drobinsky kommt zu dem Schluss, dass heute die Zeit der großen Visionen vorbei ist - angesichts einer immer unübersichtlicheren Welt. Es ist die Zeit der kleinen Propheten, die nicht den großen Wurf für eine bessere Welt machen wollen, die nicht zynisch werden angesichts der Unverbesserlichkeit der Menschen, die aber auch nicht resignieren vor der Größe der Aufgaben. "Es ist die Zeit des unverdrossenen bürgerschaftlichen Engagements, das die kleinen Räder dreht und dreht, die Zeit der vielen kleinen guten Taten und der Basisbewegung gegen das Nutzwertdenken."

Wenn ich in die Reihen der kfd-Frauen schaue, sehe ich viele Beispiele für Prophetinnen: im Einsatz für die Kirchengemeinden, im Einsatz für Frauen in Not, in der Frage, wie wir unsere Welt besser und gerechter gestalten können. Ich denke da an die Themen der integriereten Gemeinschaften der kfd, der Gemeinschaft Hausfrauen (GH) und Berufstätige Frauen (BF): Gründe Gentechnik, den Umgang mit Wasser, Regionalgeld, Fairness im Beruf und vieles mehr.

Aber auch an die Umsetzungen des Schwerpunktthemas "Fremdes achten - Frieden suchen" und den vielen Begegnungen, die Frauengruppen im Diözesanverband Osnabrück mit Frauen aus anderen Kulturkreisen und anderen Religionen organisiert haben. (Bei der ersten Preisverleihung der Marianne-Diercks-Stiftung im Frühjahr 2007 wurde eine kfd-Gruppe aus Nordhorn für ein solches Projekt ausgezeichnet). Die Liste ließe sich sicherlich noch lange weiterführen.

Ich bin zuversichtlich, dass die Zeit der kleinen Prophetinnen ihren Ausdruck im Charismen-Prozess findet. Wo wir Frauen unsere vielfältigen Talente entdecken und in Kirche und Gemeinden einbringen, da bewegen sich unaufhaltsam viele kleine Räder. 

 

Katrin Brinkmann

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