Impuls im August

Den Monat August verbinde ich mit Kornfeldern - goldgelb, mit knallroten, blauen und violetten Klecksen: Feldblumen. Die Felder waren gesäumt mit Wildblumen. In der flirrenden Hochsommerluft summten, zirpten und surrten unzählige Insekten, und bunte Schmetterlinge gaukelten von Blüte zu Blüte. Reife Brombeeren an den Feldwegen luden zum Naschen ein. Mit allen Sinnen habe ich die Natur genossen mit dem Lied auf den Lippen: „Gott, Du hast uns Deine Welt geschenkt. Herr, wir danken Dir ... "

 

Das Ährenfeld

Ein Leben war‘s im Ährenfeld,

Wie sonst wohl nirgend auf der Welt:

Musik und Kirmes weit und breit

Und lauter Lust und Fröhlichkeit.

 

Die Grillen zirpten früh am Tag

Und luden ein zum Zechgelag:

Hier ist es gut, herein! herein!

Hier schenkt man Tau und Blütenwein.

 

Der Käfer kam mit seiner Frau,

Trank hier ein Mäßlein kühlen Tau,

Und wo nur winkt‘ ein Blümelein,

Da kehrte gleich das Bienchen ein.

 

Den Fliegen ward die Zeit nicht lang,

Sie summten manchen frohen Sang.

Die Mücken tanzten ihren Reih‘n

Wohl auf und ab im Sonnenschein.

 

Das war ein Leben rings umher,

Als ob es ewig Kirmes wär‘

Die Gäste zogen aus und ein

Und ließen sich‘s gar wohl dort sein

 

Wie aber geht es in der Welt?

Heut‘ ist gemäht das Ährenfeld,

Zerstöret ist das schöne Haus,

Und hin ist Kirmes, Tanz und Schmaus

Autor: August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)

Heute sind Kornfelder selten geworden und von Maisfeldern abgelöst. Die wenigen Kornfelder sind nicht mehr bunt. Mit Pestiziden und Insektiziden wird den Begleitpflanzen des Getreides und auch den Wildblumen am Feldrain der Garaus gemacht. Was ist so schlimm daran, wenn die Blumen von den Feldern verschwinden? Mit einer ausgerotteten Wildpflanzenart verschwindet nicht nur die betroffene Pflanze. Mit ihr sterben auch verschiedene Tierarten, im Besonderen Insekten aus, die gerade von ihr leben. Das heißt: kein Leben mehr im und am Ährenfeld.

Und wie sieht es in unseren Gärten aus? Ich beobachte seit einiger Zeit mit Sorge die Verwandlung blühender Gärten in vermeintlich pflegeleichte Steinwüsten. Der Rasen gleicht einem grünen Teppich, aus dem jeglicher Klee und das Gänseblümchen verbannt werden. Dabei brauchen unsere Wildbienen den Weißklee als Nahrungsquelle. Unzählige Insektenarten sind vom Aussterben bedroht durch unsere fatale Sicht der „Ordnung" und falsch verstandener „Sauberkeit" unserer Gärten.

„Gott, Du hast uns Deine Welt geschenkt ... "Wir Menschen haben die Pflicht, dieses Gottesgeschenk mit der großen Vielfalt an Flora und Fauna anzunehmen, zu schützen und zu bewahren.

Anne Johannsen, Geistliche Begleiterin der KFD in der Region Haren

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