Alter ? - Pflege - Sorge ? - Vorsorge ?

Titel 11 14Täglich werden wir in der Gesellschaft mit älteren Mitmenschen konfrontiert. Sei es die Nachbarin, die plötzlich Hilfe im Einkauf benötigt? Ist es eine nahe Verwandte welche unsere Hilfe braucht? Oder sind es Vater oder Mutter, um die wir uns im Alter kümmern? Wir Frauen um die 50 -bis 60 Jahre machen uns schon beizeiten Gedanken: Wie wird es werden, wenn Vater oder Mutter mal nicht mehr so selbstständig sind? Ist der Verbleib in den eigenen Räumen gesichert? Nehmen wir die Mutter zu uns? Fragen über Fragen, mit denen wir uns täglich beschäftigen.

 

Bedingt durch das hohe Alter meiner Mutter, gehe ich täglich in das Pflegeheim. wo wir meine Mutter - gut untergebracht in einem Appartement - besuche.  Es war, obwohl wir mit 94 Jahren den Verlauf der Schwäche erkennen konnten, dennoch eine schmerzhafte Entscheidung. Trotz intensiver Hilfe örtlicher Pflege, und unserer familiären Hilfe, war es nicht mehr möglich, dass Mutter alleine in ihrer Wohnung, welche sie sehr liebte, alleine wohnen konnte.

Eine doppelseitige Lungenentzündung verbunden mit einem dreiwöcheigen Krankenhausaufenthalt, setze uns ein Zeitfenster von 24 Stunden einen Heimplatz für meine Mutter zu finden. Telefonieren - Häuser anschauen- mit dem Pflegepersonal sprechen - Kontakte zur Heimleitung herstellen, usw. Vieles brach über mich und meinen Mann zusammen. Dennoch - wir haben es geschafft meine Mutter fünf Minuten von uns entfernt in ein sehr gutes Alten-und Pflegeheim unterzubringen. Hier war alles vorhanden, was ich mir auf ein Formblatt notiert hatte. Gemeinschaft erleben, Aktivitäten sofern möglich, ärztliche Versorgung jederzeit im Hause. Nun ist meine Mutter am 01. November 2014 schon 1 Jahr in ihrer immer noch neuen Umgebung.

Zwischenzeitlich haben sich nette Frauen zu einem täglichen Gesprächskreis gefunden. Vier Mahlzeiten am Tag sind teilweise störend für die älteren Damen, da es doch so vieles zu erzählen gibt. Morgens um 9.00h telefoniere ich mit meiner Mutter, und erkundige mich wie es ihr geht. Das ist ein festes Ritual. Danach frage ich: Mutti wann kann ich heute kommen, oder hast du feste Termine?

Denn - so alleine ist man in einem guten Pflegeheim nicht. Die Zeit drängt. Heute Singen, morgen Gymnastik, Erzählungen, ökumenische Messen und Andachten. Morgen ist wieder der Tag der "Modeschau" - eines der Highlights für die Damen. Und so bringt jeder Tag etwas Neues.

Nun kann man nicht sagen, das Pflegeheim ist das optimal für den älteren Menschen. Die Familie, welche hoffentlich in der Nähe wohnt,  die macht das Leben im Alter einfach erträglicher. Alle Bewohner - ausnahmslos - freuen sich auf den Besuch der Kinder oder der früheren Nachbarn, anderer Verwandter und auf alte Freunschaften.

Wichtig finde ich, dass es trotz der räumlichen Trennung immer wieder wichtig ist, die Angehörigen zu besuchen. Ihnen klar zu vermitteln: "Du bist wichtig - uns - mir - sehr wichtig! Wir lieben dich - wir brauchen auch heute noch deinen Rat und deine Meinung."

Das Gefühl "abgeschoben" zu sein, das ist das Schlimmste was der ältere Mensch ertragen und erst recht nicht  verstehen kann. Früher waren meine Eltern immer für mich da. Daher ist es für mich selbstverständlich und keine Verpflichtung heute für meine Mutter immer da zu sein.

Jeden Sonntag fahre ich mit Mutter in ein schönes Cafe, immer ein anderes und alle zwei Wochen machen wir zwei mit dem Rollstuhl per Auto einen Ausflug. Und wie glücklich bin ich als Tochter, wenn ich am Abend die roten glühenden Wangen und das Leuchten in ihren langsam trüben alten Augen sehe. Ausflüge nach Greetsiel, Norden, Bad Zwischenahn, Westerstede, Wilhelmshaven, usw., usw.. Das sind nicht nur Glücksmomente für meine nun fast 95jährige Mutter, die Beschenkte bin ich - die Tochter.

Ich wünsche allen Töchtern und Söhne, dass sie auch die Chance haben, Sorge und Zeit für die alten Eltern oder Verwandte zu übernehmen. Ich fahre mit Freude täglich ins Pflegeheim - aber immer zu verschiedenen Zeiten und bleibe mal kurz oder auch drei Stunden. Für meine Mutter ist es immer viel zu kurz, für mich eigentlich auch. Ich sehe und empfinde es als Geschenk, für meine Mutter im Alter sorgen zu dürfen.

Roswitha Martenka

Dekanatssprecherin Ostfriesland

© KFD Diözesanverband Osnabrück 2018 Erstellt mit dem KFD-Baukasten unter Joomla! Ein Service der VANAMELAND