Keine organisierte Beihilfe zum Suizid

Vor einigen Wochen las ich den Bestseller „Ein ganzes halbes Jahr". Das Buch erzählt die  Geschichte eines jungen Mannes, der nach einem Selbstmordversuch seinen Angehörigen ein halbes Jahr verspricht. Danach müssen sie ihn gehen lassen und sogar dabei unterstützen, sich in der Schweiz zu töten. Das war keine leichte Kost, denn es hat mich mit der Frage  konfrontiert, wie ich handeln würde, als Angehörige oder Freundin. Könnte ich den Schritt mittragen, von dem ich glauben, dass es falsch ist? 

 

Darf ich den „Lebensmüden" im Stich und alleine lassen, oder wäre es sogar meine Pflicht, auch den Tod auszuhalten, vielleicht sogar zu assistieren? Darf ich es zulassen, dass ein Mensch sich tötet? Kann und darf ich es verurteilen? Das sind eine Reihe von sehr schwierigen Fragen. Theoretisch sind sie noch zu beantworten, in der Realität damit konfrontiert, sieht es dann aber ganz anders aus.

In vielen Internetkommentaren wird das Recht auf den eigenen Tod und die Entscheidung auf den Zeitpunkt propagiert. Aktive Sterbehelfer berichten aus ihrer Arbeit und Vereine wie Dignitas helfen Menschen, damit sie in der Schweiz Suizid begehen können.

Aktive Sterbehilfe beschäftigt in diesen Wochen und Monaten die Politik. Ein Gesetz zur organisierten Beihilfe zum Suizid ist in der
Vorbereitung und für unsere Gesellschaft wird es umfangreiche Folgen haben, je nachdem, wie dieses Gesetz aussehen wird.

In den letzten Wochen waren in den Zeitungen einige Artikel über Sterbehilfe z.B. in der Schweiz zu lesen. Überrascht hat mich, dass es nicht vorrangig tödlich erkrankte Menschen sind, die diesen Weg wählen. Laut einem Bericht in der NOZ sind es viele Menschen mit nervlichen und psychischen Erkrankungen wie z.B. Parkinson und Alzheimer. Es sind Menschen, die Angst vor Abhängigkeit und vor dem Kontrollverlust haben. Auch die Angst vor einem langen Leiden (z.B. durch Intensivmedizin) zum Wunsch, den Zeitpunkt des Sterbens selber zu bestimmen.

Die kfd hat auf der Bundesversammlung versucht, einen Standpunkt zu den geplanten Gesetzesentwürfen zu formulieren. Ganz klar heißt es: Keine organisierte Beihilfe zum Suizid! Stattdessen müssen Palliativmedizin und Hospizarbeit ausgebaut werden, damit Sterben würdig geschehen kann.

Sterben ist ein Teil des Lebens – wir brauchen eine (neue) Kultur der Sterbebegleitung und keine Legalisierung einer organisierten Beihilfe zum Suizid!

Ich wünsche mir zu den Gesetzesentwürfen eine breite Debatte und ein gutes Ringen um den besten Weg. Darum: Mischen Sie sich ein! Reden Sie mit!

Katrin Brinkmann

 

Kommentare   

 
+1 #2 Helene Griesen, 2014-09-03 18:18
Als ehrenamtliche Hospizhelferin habe ich schon viele Menschen in der letzten Lebensphase begleitet. Da ist die ärztliche Betreuung schon sehr unterschiedlich . Ich bin gegen eine aktive Sterbehilfe. Über Schmerztherapie n und palliative Betreuung ist viel zu wenig bekannt, denn damit wird Schwerstkranken ein noch menschenwürdige s Dasein in ihrer vertrauten Umgebung bis zum Tod ermöglicht. Darum ist Sterbebegleitun g ein ganz wichtiges Thema.
Helene Griesen, Dekanatsspreche rin Emsland-Nord
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+1 #1 Ursula Kemna 2014-09-02 12:16
Für mich als Krankenschweste r ist es ein Anliegen, Menschen in jeder Lebensphase ihre Würde zu geben.
Ganz wichtig ist es für sie Zeit zu haben,ihnen und ihren Angehörigen zuhören zu können. Schmerzlinderun g ist ein ganz wichtiges Thema. Auch ich wünsche mir - wie in dem obigen Artikel zum Ausdruck kommt- dass gute Begleitung in einer schwierigen Phase des Lebens Raum gewinnt.
Ursula Kemna, Diözesanvorsitz ende
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