Aufräumen, putzen, liegen lassen

Ich sitze an meinem Schreibtisch im Büro unseres Hauses. Die Märzausgabe der „Frau und Mutter „ liegt auf der Tastatur meines Laptops. Der Artikel von Stephanie Meyer-Steidl auf Seite 6/7, „vom Sinn des Staubes 2. Teil: Aufräumen, putzen, liegen lassen", erweckt mein Interesse. Er gehört zur Rubrik „Spiritualität im Alltag".

Gerade lese ich: „die äußere Ordnung wirkt ordnend auf das Innere. Bedeutend das im Umkehrschluss, dass das Chaos auf dem Schreibtisch auf ein Chaos im Inneren verweist?

Ein Durcheinander im Äußeren als Spiegel der inneren Befindlichkeit?" Unwillkürlich gleitet mein Blick über die Frau und Mutter hinweg auf meinen Schreibtisch, auf den Schreibtisch meines Mannes, auf die vollgepfropften Regale. Ordnung sieht anders aus. Das Chaos auf dem Schreibtisch meines Mannes übertrifft das meinige um ein Vielfaches. Zugegeben, es stört mich, sehr sogar. Nicht selten gebe ich bei den Versuchen, diesen Schreibtisch vom Staub zu befreien, kopfschüttelt auf. Warum kann der Mann sich nicht einmal die Zeit zum Aufräumen nehmen. Er tut es nicht, denn er braucht sie nicht die Ordnung, die sterile Sauberkeit, sie zählen nicht zu den Komponenten seiner Zufriedenheit.

Ich beneide ihn.

Das ständige Bemühen, das Haus aufgeräumt und sauber zu halten ist anstrengend, nervig, oft frustrierend und dennoch enorm wichtig - für mich jedenfalls. Wer erkennt sich darin wieder?

Ist meine Einstellung veraltet und betrifft nur noch die Generation der Frauen über 50? Eigentlich ungewollt, assoziiere ich diesen Gedanken mit dem Zustand unserer kfd. Ist die Katholische Frauengemeinschaft Deutschland inzwischen so „verstaubt", dass sich junge Frauen nicht mehr mit ihr identifizieren können und unsere Töchter und Enkeltöchter kein Interesse zeigen, bei der „Entstaubung „ mitzuwirken?

Lieber komme ich wieder zurück zur Spiritualität im Alltag.

Kann uns tatsächlich gelingen, der lästigen Hausarbeit etwas Meditatives und Spirituelles abzugewinnen, so dass wir das beständige Wischen mit einem Putzlappen, mit gleicher Hingabe und Ruhe betreiben wie das Beten eines
Rosenkranzes? Wenn wir Falten aus den Hemden bügeln, können wir uns dann vorstellen, damit auch Falten unseres Lebens zu glätten?

Kann uns ein aufgeräumter Schreibtisch unsere innere Aufgeräumtheit zurück geben?

Wenn wir nicht nur das machen können, was wir lieben, dann müssen wir lernen, das zu lieben, was wir machen.

Mit Einem hat die Autorin allerdings recht, nicht zu übertreiben und auch mal fünf gerade sein zu lassen. „Gott zeigt sich auch im Staub".

Mein Tipp: Üben wir hin und wieder eine Haltung wie nach einem längeren Urlaub: Die alltäglichen Dinge verlieren an Bedeutung, für kurze Zeit zumindest. Wir sehen alles aus einer größeren Distanz und sind gelassener  gegenüber täglichen Ansprüchen.

Gönnen wir uns jeden Tag doch wenigstens eine Viertelstunde Ruhe:

Setzen wir uns aufrecht, aber bequem an einen ruhigen Ort. Beobachten wir bewusst unseren Atem. Schalten wir von allem anderen ab. Kommen wir zur Ruhe. Wir erleben in unserem Alltag auch schöne, erfreuliche Dinge. Räumen wir den positiven Gedanken und Gefühlen Platz ein.

Am Ende des Artikels schreibt die Autorin: „Lieber Staub statt Stress: Irgendwann stellt sie sich wieder ein, die Balance aus Durcheinander und Ordnung, aus Schmutz und blank Geputztem."

Aber leider nicht von alleine.

Mechtild Kerkhoff, Geistliche Begleiterin, kfd Regionalverband Meppen

© KFD Diözesanverband Osnabrück 2018 Erstellt mit dem KFD-Baukasten unter Joomla! Ein Service der VANAMELAND